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Blick von den Hügeln über Ajaccio und den Golf von Ajaccio, im Hintergrund die Berge Korsikas

Ajaccio: die Hauptstadt Korsikas und Geburtsstadt Napoleons

Foto: Julian Nyča, CC BY-SA 3.0

Aktualisiert am · Lesezeit ca. 6 Minuten

Ajaccio liegt an der Westküste Korsikas am Nordufer des gleichnamigen Golfs und ist die Hauptstadt der Insel. Mit 76.320 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) ist sie zugleich Sitz der Präfektur des Départements Corse-du-Sud und Sitz des korsischen Regionalparlaments Assemblée de Corse. Weltweit bekannt ist Ajaccio vor allem als Geburtsstadt Napoleon Bonapartes, dessen Spuren die Stadt bis heute prägen.

Geschichte: von den Genuesen bis Napoleon

Das heutige Ajaccio wurde 1492 von den Genuesen gegründet, zur Zeit der Ptolemäer und der Römer war die Küstenregion jedoch bereits besiedelt, unter dem Namen Adiacium. 1553 bemächtigten sich die Franzosen der Stadt und errichteten die Zitadelle, 1559 fiel Ajaccio im Zuge des Vertrags von Cateau-Cambresis zurück an die Genuesen. Erst 1768, ein Jahr vor Napoleons Geburt, kam Korsika endgültig unter französische Herrschaft. Napoleon Bonaparte wurde am 15. August 1769 in Ajaccio geboren, sein Geburtshaus, die Maison Bonaparte in der Altstadt, ist bis heute erhalten und als Monument historique ausgewiesen. Ajaccio ist Gründungsmitglied des Bundes der europäischen Napoleonstädte. 1811 wurde die Stadt Sitz des Départements Corse, 1982 Sitz des neu gegründeten Regionalparlaments Assemblée de Corse. Im August 1944 sammelten sich vor Ajaccio zudem Kriegsschiffe der Westalliierten, um von dort aus die Operation Dragoon, die Landung an der Côte d’Azur, zu beginnen.

Napoleonische Feste und Familie

Mehrere Mitglieder der Familie Bonaparte wurden in Ajaccio geboren, darunter Napoleons Geschwister Lucien, Louis, Pauline, Caroline und Jérôme Bonaparte sowie sein Onkel, Kardinal Joseph Fesch. Napoleons Vater Carlo Buonaparte und seine Mutter Laetitia Ramolino lebten ebenfalls in der Stadt. Vom 12. bis 15. August erinnern die Journées Napoléoniennes d’Ajaccio mit Umzügen, Konzerten und Schauspielen an den Kaiser, zusätzlich versammeln sich Ende Mai oder Anfang Juni bei den Les Régates Imperiales traditionsreiche Segelschiffe im Golf von Ajaccio.

Stadtbild und Häfen

Die Ostseite der Stadt ist von Häfen geprägt: Zwischen zwei Yachthäfen liegt der Gare Maritime mit Anlegern für große Fähren und Kreuzfahrtschiffe. Die Zitadelle Ajaccio an der Südostspitze trennt als markante Landmarke das östliche vom südlichen Meeresufer der Stadt. Vor der Zitadelle liegt der vornehmste Yachthafen der Stadt, der Port de Plaisance Tino Rossi, benannt nach dem in Ajaccio geborenen Sänger und Schauspieler Tino Rossi. Innerhalb dieses Yachthafens liegt im Schatten der Zitadelle zudem der kleinere Fischereihafen Port Abri.

Sehenswürdigkeiten in der Stadt

Die Innenstadt Ajaccios ist von schmalen, schattigen Gassen mit mehrstöckigen alten Häusern geprägt, deren Fassaden meist in warmen Rot-, Orange- und Gelbtönen gehalten sind. Die genuesische Altstadt erstreckt sich nordwestlich der Zitadelle, die an der Südostspitze der Stadt das östliche vom südlichen Meeresufer trennt und nur im Rahmen organisierter Führungen zu besichtigen ist. Davor liegt der vornehmste Yachthafen der Stadt, der Port de Plaisance Tino Rossi. In der Altstadt befindet sich das Geburtshaus Napoleons, die Maison Bonaparte. Auf der Place Maréchal Foch nördlich der Altstadt steht ein von vier Löwen geschmücktes Denkmal für Napoleon, auf der Place d’Austerlitz oberhalb der Stadt eine monumentale Statue mit den wichtigsten Daten seines Lebenslaufs. Auf der Place Charles de Gaulle westlich der Altstadt gruppieren sich um eine große Reiterstatue Napoleons zusätzlich Statuen seiner vier Brüder Joseph, Lucien, Louis und Jérôme. Dem Freiheitskämpfer und Bonaparte-Gegner Pasquale Paoli ist am Boulevard Danielle Casanova ein eigenes Denkmal gewidmet. In der Stadt stehen zudem mehrere historische Kirchen, darunter die Kathedrale Notre-Dame-de-l’Assomption und das 1565 errichtete Oratoire Saint-Jean-Baptiste. Besonders bemerkenswert ist die 1801 von Lucien Bonaparte gegründete Stadtbibliothek. Vor dem Palais Fesch, benannt nach Napoleons Onkel, dem Kardinal Joseph Fesch, erinnert ein eigenes Denkmal an diesen.

Marmortafel am Geburtshaus Napoleons, der Maison Bonaparte in der Altstadt von Ajaccio Foto: febs, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Das Reiterdenkmal für Napoleon und seine Brüder auf der Place Charles de Gaulle in Ajaccio Foto: Mussklprozz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das südliche Ufer der Stadt ist von einem Boulevard gesäumt, der sich rund 10 Kilometer bis zur Landspitze Pointe de la Parata zieht, das gesamte Ufer ist dabei von sandigen Badestränden gesäumt. Mehr zu den Stränden rund um Ajaccio und auf ganz Korsika steht auf der Seite Strände.

Die Îles Sanguinaires

Am nördlichen Ende des Golfs von Ajaccio, wenige Kilometer vor der Landspitze Pointe de la Parata, liegt die Inselgruppe der Îles Sanguinaires. Sie besteht aus vier kleinen Inseln aus rotbraunem Porphyr: Grande Sanguinaire, Îlot de Cala d’Alga, Île de l’Oga und Île de Porri. Den Namen „blutige Inseln“ verdanken sie vermutlich dem purpurroten Glühen der Felsen im Abendlicht. Auf der Hauptinsel Grande Sanguinaire steht ein Leuchtturm, der zwischen 1838 und 1844 erbaut und 1985 automatisiert wurde, zuvor diente die Insel unter anderem als Lazarett für Seeleute mit ansteckenden Krankheiten. Die Inseln sind als maritimes Schutzgebiet innerhalb von Natura 2000 klassifiziert, auf der Hauptinsel wachsen laut Wikipedia rund 150 verschiedene Pflanzenarten. Von Ajaccio aus führt die rund 10 Kilometer lange Route des Sanguinaires am Meeresufer entlang bis zu einem Parkplatz nahe der Pointe de la Parata, von dort fahren Ausflugsboote zu den Inseln hinüber, ebenso vom Hafen in Ajaccio direkt.

Der Leuchtturm auf der Hauptinsel Mezu Mare der Îles Sanguinaires vor Ajaccio, links der genuesische Turm Tour de la Parata Foto: Olivier Dugornay / Ifremer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Das Wappen und die Verbindung zu Genua

Bis 1768 gehörte Korsika zur Republik Genua, und das Wappen Ajaccios zeigt diese Verbindung bis heute: Eine silberne Säule mit einer dreispitzigen Krone, umgeben von zwei goldenen Löwen, deren Vorbild aus dem Wappen des römischen Geschlechts Colonna stammt. Ursprünglich zierten anstelle der Löwen zwei Hunde das Wappen, die 1575 von der Ligurischen Republik bewilligte Inschrift erinnerte an die Verbundenheit der Bürger Ajaccios mit der Republik Genua.

Anreise nach Ajaccio

Ajaccio verfügt über den größten Flughafen der Insel, den Flughafen Ajaccio Napoléon Bonaparte, auch unter dem Namen Campo dell’Oro bekannt. Der Handelshafen der Stadt ist nach dem von Bastia der zweitgrößte Korsikas. Fähren verbinden Ajaccio ganzjährig mit Marseille, Toulon und Nizza, zur Saison kommen innerkorsische Verbindungen nach Calvi und Propriano hinzu. Welche Reedereien welche Strecken nach Ajaccio bedienen, ist auf der Seite Fähre im Detail aufgeführt. Der Bahnhof Ajaccio ist zudem Endpunkt der 157 Kilometer langen Bahnstrecke nach Bastia.

Verkehr in der Stadt

Der öffentliche Busverkehr in Ajaccio wird von der Gesellschaft Muvistrada betrieben. Die Buslinie 5 verbindet die zentral gelegene Place Charles de Gaulle mit der Küste entlang der Route des Sanguinaires bis zum Ausflugsziel Pointe de la Parata, rund 10 Kilometer westlich der Innenstadt. Bis 1993 bestand zudem eine Gleisverbindung vom Bahnhof direkt in den Hafen Ajaccios.

Unterkunft in Ajaccio

Wer eine Unterkunft in der Stadt sucht, findet eine erste Auswahl samt Hintergründen zu einzelnen Häusern im bestehenden Beitrag Hotels in Ajaccio. Allgemeine Fakten zu Korsika, etwa zu Fläche und Einwohnerzahl der Insel, sind auf der Seite Korsika auf den Punkt gebracht zusammengefasst.

Häufige Fragen

Ist Ajaccio die Hauptstadt von Korsika?

Ja. Ajaccio ist Hauptstadt der Region Corse und Sitz der Präfektur des Départements Corse-du-Sud, zudem Sitz des korsischen Regionalparlaments Assemblée de Corse seit dessen Gründung 1982.

Warum ist Ajaccio für Napoleon Bonaparte bekannt?

Napoleon Bonaparte wurde 1769 in Ajaccio geboren, sein Geburtshaus, die Maison Bonaparte, steht noch heute in der Altstadt. Ajaccio ist zudem Gründungsmitglied des Bundes der europäischen Napoleonstädte.

Was sind die Îles Sanguinaires?

Die Îles Sanguinaires sind eine Gruppe von vier kleinen Inseln aus rotbraunem Porphyr am nördlichen Ende des Golfs von Ajaccio, benannt nach der rötlichen Farbe des Gesteins. Von der Pointe de la Parata fahren Ausflugsboote hinüber.

Wie kommt man nach Ajaccio?

Ajaccio hat mit dem Flughafen Ajaccio Napoléon Bonaparte den größten Flughafen der Insel. Der Hafen wird ganzjährig von Fähren aus Marseille, Toulon und Nizza angefahren, zur Saison zusätzlich von innerkorsischen Verbindungen nach Calvi und Propriano.

Wie viele Einwohner hat Ajaccio?

Ajaccio hatte zum 1. Januar 2023 nach Angaben von Wikipedia 76.320 Einwohner.

Quellen und weiterführende Informationen